Behinderten Sportverband Berlin diskutiert zu: Paralympics 2024

Wo und wie geht’s für mich Golfer mit GdB 100 zu den Paralympics?

Berlin – Für’s Erste lud offiziell der Behinderten Sportverband Berlin ein, zu einer Pro und Contra Debatte der Paralympics, im Rahmen der Berliner Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024. Also auf nach Treptow ins Glashaus an der Arena, am Badeschiff.

Behinderten Sportverband Berlin Pro & Contra Paralympics

Einladung vom Behinderten Sportverband Berlin

Es war hochrangig geladen, für die Podiumsdiskussion verprach die Ankündigung:

  • Dr. Ehrhart Körting: Präsident des Behinderten-Sportverbandes Berlin e.V., ehemaliger Senator des Landes Berlin,
  • Kirsten Bruhn: Schwimmerin, 3x Goldmedaille in 100 m Brust bei Paralympics (zuletzt London 2012),
  • Isko Steffan: Vizepräsident Rehabilitationssport beim BSB, Vizepräsident Landessportbund (Rechts- und Satzungsfragen, sowie Gesundheitssport), früherer Sitzvolleyballer
  • Oliver Klar: Landes-Jugendreferent des BSB, Koordinator Inklusion im SV Pfefferwerk, Übungsleiter und Sonderpädagoge
  • Henry John: Sportlehrer an der Toulouse Lautrec Förderschule, Wettkampfleiter „Jugend trainiert für Paralympics“
  • Dr. phil. Johannes Verch: Sportwissenschaftler, Gastprofessor der Alice Salomon Hochschule Berlin, Aktivist im Rahmen der „NOlympia“-Bewegung

Alle genannten fanden sich ein. Ich selbst kam meinen eigenen Ambitionen näher. Gleich vorne in der ersten Reihe platziert, ging es sogar golfsportpolitisch einen charmanten Schritt weiter. Denn, Thomas Härtel, Staatssekretär a. D. und aktuell Vizepräsident Breiten-, Präventions- und Rehabilitationssport beim Deutschen Behindertensportverband nebst Gattin waren ebenfalls erschienen, „lieben“ Golf und verabredeten sich spontan mit mir auf eine gemeinsame Platzrunde.

Der zweite anwesende Staatssekretär (Inneres und Sport), Andreas Statzkowski, hielt das Grußwort. Und dann ging es kontrovers, dabei sehr kultiviert, ins Detail. Da das Thema Behindertensport heute nicht mehr vom Thema Inklusion zu trennen ist, umrissen die beiden bestens vorbereiteten Moderatoren, Jan Bergner und Christian Holzmacher, ebenso die gleichberechtigte gesellschaftlich Teilhabe.

Leistungssport ist nicht automatisch inklusiv

Kritische Köpfe, wie Dr. Verch, fragen heutezutage allerdings gleichfalls, ob es wirklich sinnstiftend ist, sich dem Hochleistungssport zu verschreiben. Oder, ob es für unsere Gesellschaft nicht besser sei, eine bewegungskulturelle Vielfalt zu entwickeln, um eine offene, inklusiv Gesellschaft zu werden. Es bestünde zur Zeit vielfach nur die Herrschaft gegen die Natur und den Menschen, gerade wegen der autoritären Strukturen im Olympischen Grundkonzept, nach immer dem gleichen kommerziellen Motto: mehr körperliche Leistung, mehr Expansion, mehr Wachstum. Das schaffen wenig. Erfolg gilt fast immer bezogen auf den Einzelnen und das ist größtenteils Exklusion.

Völker vereint euch…

Unser erfolgreiche Olympionikin berichtete wiederum Feuer und Flamme von London 2012. Es sei:

exorbitant genial, wie sich die Spiele für paralympischen Athleten anfühlten.

Sie vertrat die Meinung, dass insbesondere populäre Sportvorbilder dazu beitragen, gerade junge Menschen zu motivieren sich selbst sportlich zu betätigen. Allerdings sind Inklusionssportevents, solche an den behinderte Menschen und die Sportler ohne Behinderung innerhalb eines Tages ihren jeweiligen Wettbewerb austragen, selbst auf nationaler Ebene schwierig. Man könnte aber zunächst bei den Deutschen und dann den Europäischen Meisterschaften endlich mal beginnen.

Golf ist bereits „Inklusion“

Übersetzt auf mich Golfer klang der Ansatz ganz selbstverständlich. Bei uns laufen nämlich Männer und Frauen, Junge und Alte, Könner und Anfänger sowie Behinderte und „die welche ohne“ bei regionalen Turnieren zusammen in einem (!) Flight über allerschönste Golfplätze. Mal sehen, vielleicht kommt der DGV, der Deutsche Golfverband, sogar bald auf die Idee auch die Top-Meisterschaften gemeinschaftlich auszurichten, um zu zeigen, wie weit Golf da schon längst ist.

Ganz nebenbei gibt Inklusionssportler tj.PHOENIX, zwischenzeitlich hauptberuflich gleichfalls Bauindustrie-Lobbyist, fachlich zu bedenken: In der olympischen Praxis würde Inklusion bei vielen Wettkämpfen deutlich höhere Kosten verursachen, als wenn die Spiele nacheinander ausgerichtet würden. Gemeint ist beispielsweise der Bau größerer temporärer Zuschauertribünen (verlorene Kosten). Ungeachtet davon würde natürlich für Berlin ein zusätzliches Plus an barrierefreier Infrastruktur entstehen. Vielleicht schaffen wir auch tatsächlich das angestrebte Ziel: barriereärmste Stadt Europas zu werden und gewinnen, nach 2013, erneut den Access City Award.

Dr. Schneider bestätigte diese Möglichkeit, aus seiner Erfahrung. Da er vor 25 Jahren die erste Olympiabewerbung Berlins mit begleitete, erinnerte er daran, dass gerade „nur allein schon“ aus dem damaligen Bewerbungsbemühungen sehr viele soziale und barrierefreie Konzepte für die Stadt entwickelt wurden und heute daraus positiv wahrnehmbar resultieren. Es ist zu erwarten, dass wieder Leuchtturmprojekte entstehen.

Spitzensport: Pacemaker für Breitensport

Ex-Senator Körting war und ist überzeugt, dass sich starke Impulse für Berlin ergeben werden, die sich in einer strukturellen Verbesserung zeigen, gerade auch für die gehäuft auftretenden Probleme der Öffentlichen Hand und der stark kritisierten, permanenten Unterfinanzierung bzw. des Investitionsstaus bei sozialen Einrichtungen (Schwimmbäder, Kindergärten etc.). Hoffnungsvoll, auch wenn es vermutlich eine Flächenaufwertung geben wird: u. a. würden 5.000 neue, bereits jetzt dringend benötigte Wohnungen entstehen und nachher der Stadtgesellschaft zur Verfügung stehen. Er erwartet, dass sich verstärkt Intelligente Dienstleistungen in Berlin ansiedeln. Insgesamt täte Olympia Berlin gut, vieles würde durch dieses Fest letztendlich schneller geschaffen. So scherzte er abschließend selbst gegen die „eigene“ Verwaltung:

„Die“ würden mal wieder richtig ins Arbeiten kommen.

Ich war beeindruckt über die Veranstaltung, und es fiel leicht Klaas Brose, Geschäftsführer des Behinderten Sportverbandes Berlin, zu beglückwünschen für eine olympiareife Performance in der Disziplin: „soziales Engagement“. Es stärkt das Selbstbewusstsein eines Behinderten. Ich würde jedenfalls jederzeit bei Olympischen Spielen teilnehmen wollen, ob nun als Golfsportler oder als Inklusionsbotschafter…

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Autor_tj.PHOENIX

Autor_tj.PHOENIX

Botschafter für Inklusion | arts4PR-Mentor bei Hauptverband der Dt. Bauindustrie
Unternehmerblut fließt in den Adern, ein wildes Künstlerherz schlägt in der Brust. Wenngleich seine Kräfte zu gering sind (GdB 100), um loszustürmen und in der Arktis unermüdlich süsse Robbenbabies zu retten, agiert er überaus lebensbejahend: so teilt er das Handicap vieler von Geburt mit Behinderung lebender Menschen. Ebenso kennt er das Schicksal schwerster Unfälle und Krisen, u. a. durch eine höchst lebensbedrohende Krebserkrankung, die ihn 2010 traf.

2011 - beim NeuStart ins Leben kündigte er an: “In einem Jahr trete ich an, bei den Dt. Meisterschaften der Golfer mit Behinderung". Der Blog erzählt Ihnen von seinem Wiederauferstehen, wie ein PHOENIX aus dem Feuer...
Autor_tj.PHOENIX

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