INKLUSIONS-HANDBUCH

Ein Jahr vor den Paralympics 2016

1. Deutsch-Brasilianisches INKLUSIONS-HANDBUCH wird vorgestellt

BERLIN – Brasilianische Botschaft: die Einladung kam über die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Verena Bentele, zum Projekt: „Auf die Plätze, fertig, los: Brasilien und Deutschland – Partner bei der Inklusion und bei den Paralympics“.

Soll ich, soll ich nicht, hingehen?

Ich bin müde, die Sportsaison war nicht ohne, ich hab‘ hart für „Bronze“ gefightet, bin echt kaputt und doch sagt mir meine Intuition:

Steh auf, schliesslich träumst Du doch von „Rio“.

18:00 Uhr – es ist nicht weit, ich wohne im Regierungsviertel. Keine 600 Meter zu Fuß und ich kann bei meiner „Nachbarin“, der Brasilianischen Botschafterin, an die Tür klopfen. Wem laufe ich als erstes in die Arme? Dem Geschäftsführer des Behinderten Sportverbandes Berlin e.V. (BSB), Klaas Brose. Ok, ich bin richtig und sofort wach, denn mit dem Mann „kann“ ich. Er brennt gleichfalls für den olympischen Sportsgeist.

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Golf ist „Inklusion“: tj.PHOENIX und BSB-Geschäftsführer Klaas Brose

Guter Start in den Abend. Und siehe da, nächstes „bekanntes“ Händeschütteln erfolgt mit Staatssekretär a. D. Thomas Härtel, DBS-Vizepräsident. Er lässt mich wissen, dass wir in wenigen Tagen ein Charity-Golfturnier zusammen spielen, zur Unterstützung der Berliner Paralympics Sportler. Gerne doch, denn beide Herren wissen: Golf ist, durch sein „echtes Miteinander im Spiel“, ein ganz hervorragender Inklusionssport, wenn nicht sogar einer der am geeignetsten!

Rio ich komme!

Meine Kräfte sind zurück, ich bin endgültig wach – und sehe die sich für die Moderation des Abends vorbereitende ZDF-Frau Katrin Müller-Hohenstein. Ihr Lächeln versetzt mich augenblicklich wieder in Trance…

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Katrin wird sicher auch aus Rio strahlend berichten.

18:15 – Aufhören zu träumen, Platz nehmen, die Dame des Sportfernsehens eröffnet offiziell und charmant die Veranstaltung. Dann Kopfhörer auf und der Übersetzung von Frau Botschafterin lauschen. Es geht auf portugiesisch um:

  • die Olympischen Spiele, speziell
  • den Paralympics 2016,
  • dem neuen Handbuch rund um Inklusion, einem Projekt mit der AHK Deutsch-Brasilianische Industrie und Handelskammer,
  • 4.000 Sportlern mit Behinderung, in
  • 23 Sportarten sowie
  • 70% der fast fertig gestellten Infrastruktur in Brasilien und um dass, was
  • Deutschland seit 100 Jahren gesellschaftlich bereits vorbildlich „könne“: Inklusion.

Ich bin baff und nun richtig hell wach. Denn, gerade in Jobs, auch in Deutschland, drehen vielfach Personaler bzw. Manager völlig schmerzfrei an der Kostenschraube und gehen nachweislich über die Tatsache hinweg, dass ihnen kranke bzw. sogar schwerbehinderte Menschen gegenüberstehen. Eher eine fragwürdige Kultur. Ob die Botschafterin da mal wirklich richtig informiert ist? Nicht ohne Grund beschäftigt sich die UN intensiv damit und veröffentlich aktuell die Behindertenrechtskonvention, das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung, wie Frau Bentele uns wissen lies.

152 Seiten Inklusion

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wird heute nun vorgestellt: das 1. Deutsch-Brasilianische INKLUSIONS-HANDBUCH, in dem dieses Thema von allen Seiten beleuchtet wird.

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Thomas Timm, Hauptgeschäftsführer der Brasilianischen Industrie- und Handelskammer Sao Paulo

Wirklich gut gemeint, reich an Ideen, vielen Mut machenden, realen Vorbildern, inkl. CD…

Integration vs. Inklusion

Im Detail erkenne ich, es wird dort Inklusion in seiner sehr dynamischen, gesellschafts-verändernden Kraft etwas unglücklich vermittelt. Das zeigt sich mir in der grafischen Darstellung des Inklusions-Modells. Der gesellschaftliche Rahmen bleibt dabei weiterhin unangetastet, zeigt damit lediglich „erweiterte“ Integration aber nicht Inklusion. Dann würde es nämlich eine veränderte Gesellschaft und in aller Konsequenz damit auch deren neuen, anderen Rahmen geben. Diese radikale Veränderung wollen vermutlich dann allerdings die wenigsten Menschen wirklich – auch wenn sich viele z. Zt. das Thema gerne auf die Fahne schreiben. Die Erfahrung von über 50 Jahren eigener Behinderung, von Geburt her sowie durch Schicksal, offenbarte mir allzu oft, insbesondere die Barrieren in den Köpfen von Menschen. Dennoch: es bewegt sich was. Und zwar in die richtige Richtung!

Wertigkeit des Lebens

Mit dem Initiator des Buches konnte ich ganz persönlich am Rande noch folgende sehr positive Auffälligkeit zu Behinderung, Leistung und Sport erörtern: Die Wertigkeit von Leistung kennen wir in der Gesellschaft, jeden Moment im Arbeitsleben und insbesondere eben aus dem „normalen“ Leistungssport. Ich meine, gerade Behindertensport hat einen weiteren, sehr bedeutenden, viel tieferen Spirit. Denn:

Behindertensport zeigt die Wertigkeit des Lebens!

Danke, für die Einladung. Gut, dass ich mich heute doch auf den Weg gemacht hatte, Richtung Rio. Mal sehen wo wir uns alle in einem Jahr sehen…

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Autor_tj.PHOENIX

Autor_tj.PHOENIX

Botschafter für Inklusion | arts4PR-Mentor bei Hauptverband der Dt. Bauindustrie
Unternehmerblut fließt in den Adern, ein wildes Künstlerherz schlägt in der Brust. Wenngleich seine Kräfte zu gering sind (GdB 100), um loszustürmen und in der Arktis unermüdlich süsse Robbenbabies zu retten, agiert er überaus lebensbejahend: so teilt er das Handicap vieler von Geburt mit Behinderung lebender Menschen. Ebenso kennt er das Schicksal schwerster Unfälle und Krisen, u. a. durch eine höchst lebensbedrohende Krebserkrankung, die ihn 2010 traf.

2011 - beim NeuStart ins Leben kündigte er an: “In einem Jahr trete ich an, bei den Dt. Meisterschaften der Golfer mit Behinderung". Der Blog erzählt Ihnen von seinem Wiederauferstehen, wie ein PHOENIX aus dem Feuer...
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