Kämpferherz

Golf Saisonfinale: Deutsche Meisterschaften

Hamburg – Deutsche Meisterschaften der Golfer mit Behinderung 2013. Inklusiv gebrochener Rippe wurde die Woche härter als gedacht. Mit Willenskraft zu neuem Meilenstein.

Saisonfinale! Wettkampf-Tage, endlich! Fitness & Friends verdanke ich, dass mir dabei Personaltrainerin Anja Jojthe als Caddie beherzt zur Seite stand.

Perfekte Unterstützung

Kurzes Kennenlernen bei einem Espresso, mit einigen theoretischen Infos, damit auch sie regelkonform agieren kann und nicht „aufläuft“. Eine Stunde später, direkt im PRE-Turnier, setzte Anja dies in höchster Bravour sofort praktisch um. Weit, weit mehr als überhaupt zu erwartet. Ganz toll und super Kaltstart.

Erst vor wenigen Tagen, u. a. beim Bundeswehr-Turnier in Berlin, hatte ich mich um insgesamt 4 Punkte auf HDC 28,5 verbessert. In Hamburg gelang unserem kleinen Team dann gleich nochmals ein erstaunlicher Sprung um 2 Punkte.

Rippenbruch – keep on rockin!

Und alles mit einer grad kürzlich frisch gebrochenen Rippe! Genau   im Bereich, wo der Körper voll eingedreht und zusammengestaucht wird. Die Diagnose zeigte sich Dienstag früh, nach einem Röntgen-Check vor Ort. Also galt es: Stretch-Stützverband anlegen, Eis ohne Ende, Zähne zusammenzubeißen, 5 Tage weiter konzentriert…

Kämpfer tj.PHOENIX mit gebrochener Rippe – Foto DGV / Felix Naumann

…trainieren sowie die Turniertage dennoch lächelnd zu „rocken“.

Schei…, tat das weh.

Und doch ging es.

Von 32,0 auf 28,5 auf 26,5

Mit der sprunghaften Handicap-Verbesserung machte ich mir automatisch das Golferleben selber schwerer. Das liegt in der Natur dieses Sportes. Im Wettkampf gab es sofort deutlich weniger Vorgaben (zusätzliche Stableford-Schlagversuche) als noch wenige Tage zuvor. Was bedeutet, dass neben der Schmerzablenkung auch meine Frustrationstolleranz seelisch arg getestet wurde. Und doch, insgesamt spielte ich viel, viel stärker als 2012. Potential und Performance tendenziell steigend…

Anlasern & Boooom!

Zur Unterstützung der optimalen Leistung gab mir Golf Berlin Mitte, neben netten Wünschen, auch zwei echte, „scharfe“ Waffen leihweise mit auf den Weg: einen neuen, super leichten Driver CALLAWAY LEGACY und einen geilen Laser.

Genau nach der von PGA Professional Tim Raisner für mich ausgeheckten Bogey-Strategie wurde gespielt – na sagen wir, ich versuchte so gut wie möglich das umzusetzen, was der geduldige Golflehrer mit seinem gehandicapten Sonderschüler in Berlin (Golfclub Gatow) trainierten.

Unser „geheimes“, taktisches Birdie-Book dazu, druckte und laminierte erneut Michael.Es bewährte sich, dass wir die wasserdichte Ausführung wählten, insbesondere da die heftigen Regengüsse teils waagrecht kamen.

Anja legte sich voll ins Zeug, um mich angeschlagenen Sportler, unter den schwierigen Umständen, nach allen Kräften zu entlasten, zu stärken und zu schützen. In ihrer charakterlich feinen Art, die einem mit GdB 100-gehandicapten Menschen mental sehr positiv zugewendet ist. Und blieb, konstant über den ganzen langen Wettkampftag, von bis zu 6 Stunden. Großartig! Wenn das Green in Entfernung für eine Attacke lag, wurde genau angelasert und immer wenn Caddie Anja

„…Boooooooom“

rief, war klar, gleich schlägt der Ball zielgenau an der Fahne ein. Uns beiden brachte es riesigen Spaß, aber auch unseren Flightpartnern brachte es riesigen Spaß.

Rekord an Bahn A5

Ein wenig Wind von hinten, ein richtig guter Draw, mit dem Dogleg leicht mitgezogen und etwas Lucky Bounce, so gelang mir mein persönlicher Longest Drive von 250 Metern total. Mit anderen Worten: der Driver passt! Genau so wie es die Jungs vom Golfshop, Patrick und Simon, beim fitten am TRACKMAN herausfanden (Anm.: Longhitter Simon knallt Drives bis auf sensationelle 328 Meter – Kallin, 2013).

Trotz dessen vs. weil

Die gebrochene Rippe ist zwischenzeitlich getapt und die Hämatome werden regelmäßig gelympht. In der Nachbetrachtung stellte Osteopath Volker Goedicke die schräge, aber interessante Frage:

„Hast Du so gut gespielt, trotz der Verletzung oder gerade weil Du diese Dir zusätzlich zugezogen hast?“

Denn die Tatsache überrascht in der Tat, dass durch den neuen, sehr schmerzlichen Fokus sämtliche anderen bisherigen körperlichen Problemfelder plötzlich weg waren, dass meine eigene Nerven-Zentralstelle Thalamus diese bisher langwierigen „Störer“ schlagartig in den Hintergrund gedrängte. Auch war ich fast gezwungen, besonders exakte Bewegungsabläufe auszuführen.

Was hier medizinisch sicherlich grenzwertig, aber dennoch, vom Adrenalin-gestützten Willen zu leisten war, geht natürlich nicht auf Dauer gut und ist ausdrücklich nicht zur Nachahmung empfohlen. Jetzt ist deshalb eine 6-wöchige Golf-Zwangspause verordnet.

Tom, der alte PR-Profi

Mit einem für mich tollen HDC -26,5 war Sieg-mässig nicht wirklich was zu reißen oder überhaupt an eine Platzierung zu denken, gegenüber Teilnehmern mit sogar (plus) +0,5 HDC! Selbstredend, wer am besten spielt soll auch am meisten gefeiert werden. In der modernen Medienwelt ist es manchmal etwas anders. Sorry, wenn  ich durch meine „irre“ Kämpfer-Durchhalte-Performance mal wieder ungewollt auffalle und Euch echte Sieger ein wenig die Show stehle. Von meiner Seite:

Herzliche Gratulation,

an die Deutsche Meisterin Birgit Meilinger und den Deutschen Meister Christopher Huvermann! Apropos PR: Den DGV- sowie auch den BGC-Offiziellen habe ich vorgeschlagen,

„…dass wir für die nächste Deutsche Meisterschaft bitte ein online Live Scoring (!) bekommen, wie es professionell und bestens bewährt u. a. in der Golf-Bundesliga eingesetzt wird.“

Damit sollte dann tatsächlich, wie ja allseits in netten Grußworten und wichtigen Statements immer offiziell erwünscht, dem Behindertensport endlich ein echter starker PR-Impuls gelingen…

Merci, Kameraden & Freunde

Man kann durchaus festhalten: Golf ist echte Inklusion! Wir Behinderte können, insbesondere wenn Golf ambitioniert als Leistungssport betrieben wird bzw. wie bei mir gleichzeitig als wirkungsvolle Therapie für die gesundheitliche Besserung betragen soll, dies nur leisten, mit der wohlwollenden Unterstützung vieler tatkräftig helfender Menschen und toller Freunde:

Merci, BGC-Vize Bernd Walsch und Deiner „Bon Bon“ Caddie Judith Walter für Euren sportlichen VIP-Shuttle Service.

Merci, Karsten, Uli, Manuela, Ina und Jens für Eure Freundschaftsdienste zum 3. Geburtstag meines Wiederauferstehens

thanks4help

PS: Geständnis an das liebe Team vom Golf & Countryclub Hamburg-Treudelberg sowie des Hotel Steigenberger:

JA, ich war’s. Der mit dem Kämpferherz hat das ganze guuuute gecrashte Eis zur Küüüühlung seiner lädierten Knochen aufgebraucht….

Autor_tj.PHOENIX

Autor_tj.PHOENIX

Botschafter für Inklusion | arts4PR-Mentor bei Hauptverband der Dt. Bauindustrie
Unternehmerblut fließt in den Adern, ein wildes Künstlerherz schlägt in der Brust. Wenngleich seine Kräfte zu gering sind (GdB 100), um loszustürmen und in der Arktis unermüdlich süsse Robbenbabies zu retten, agiert er überaus lebensbejahend: so teilt er das Handicap vieler von Geburt mit Behinderung lebender Menschen. Ebenso kennt er das Schicksal schwerster Unfälle und Krisen, u. a. durch eine höchst lebensbedrohende Krebserkrankung, die ihn 2010 traf.

2011 - beim NeuStart ins Leben kündigte er an: “In einem Jahr trete ich an, bei den Dt. Meisterschaften der Golfer mit Behinderung". Der Blog erzählt Ihnen von seinem Wiederauferstehen, wie ein PHOENIX aus dem Feuer...
Autor_tj.PHOENIX

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